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Die Hebammensuche ist die erste große Aufgabe der Schwangerschaft, die du von Anfang bis Ende übernehmen kannst. Sie braucht keinen Mutterpass, keinen Ultraschalltermin und keine Anwesenheit deiner Partnerin, sondern Recherche, Telefonate und Hartnäckigkeit. Genau die Sorte Arbeit also, die sich delegieren lässt, und zwar an dich. Dieser Artikel erklärt, was eine Hebamme leistet, was die Kasse zahlt, warum die Suche früh beginnen muss und wie du sie in einer Woche aufsetzt.

Was eine Hebamme macht, und warum sie auch dich betrifft

Hebammen begleiten nicht nur Geburten. Ihr Leistungsspektrum reicht von der Schwangerschaftsvorsorge über Geburtsvorbereitungskurse und die Geburt selbst bis zur Betreuung im Wochenbett, zur Rückbildung und zur Stillberatung.

Der Teil, um den es bei eurer Suche vor allem geht, ist die Wochenbettbetreuung, oft Nachsorge genannt. Die Hebamme kommt dafür zu euch nach Hause und schaut nach Mutter und Kind: Heilung und Rückbildung bei deiner Partnerin, Gewicht, Nabel, Trinkverhalten und Entwicklung beim Baby, dazu Antworten auf die vielen Fragen der ersten Wochen. In den ersten Tagen nach der Geburt kann sie bei Bedarf täglich kommen.

Für dich als Vater ist ein Aspekt besonders relevant: Die Hebamme ist in dieser Phase die einzige medizinische Fachperson, die eure Familie regelmäßig zu Hause sieht. Sie ist geschult, zwischen dem üblichen Stimmungstief der ersten Tage und einer beginnenden Wochenbettdepression zu unterscheiden, und kann früh an passende Hilfen vermitteln. Wer eine Nachsorgehebamme organisiert, organisiert damit auch das Frühwarnsystem der Familie.

Was die Kasse zahlt

Hebammenhilfe ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (geregelt in § 24d SGB V). Das umfasst die Vorsorge, den Geburtsvorbereitungskurs, die Geburt, die Wochenbettbetreuung, den Rückbildungskurs und die Stillberatung. Eine ärztliche Überweisung ist nicht nötig; die Versichertenkarte genügt.

Konkret zur Nachsorge: Bis zum elften Tag nach der Geburt besteht Anspruch auf täglich bis zu zwei Besuche. Danach bleiben bis zwölf Wochen nach der Geburt weitere 16 Kontakte, als Hausbesuch, Praxistermin oder Beratung. Bei Still- oder Ernährungsfragen kommen bis zu acht weitere hinzu, längstens bis zum neunten Lebensmonat oder bis zum Abstillen. Wie dicht die Termine liegen, vereinbart deine Partnerin mit der Hebamme nach Bedarf.

Der Betreuungsumfang nach der Geburt im Überblick. Weitere Termine sind auf ärztliche Anordnung möglich.

Zwei Ausnahmen von der Kostenfreiheit solltet ihr kennen. Die Rufbereitschaftspauschale einer Beleghebamme (dazu gleich) ist in der Regel privat zu zahlen, manche Kassen bezuschussen sie. Und der Partneranteil am Geburtsvorbereitungskurs, also dein Platz im Kurs, ist häufig Privatsache; einige Kassen erstatten ihn als Zusatzleistung. Ein Anruf bei eurer Kasse klärt beides in fünf Minuten. Privat Versicherte fragen grundsätzlich vorab, welche Hebammenleistungen ihr Tarif abdeckt.

Und eine Regel, die kaum jemand kennt und die im Ernstfall zählt: Der Anspruch auf Wochenbettbetreuung besteht auch dann, wenn das Kind vor, während oder nach der Geburt gestorben ist.

Warum die Suche früh beginnen muss

Hier klaffen Anspruch und Versorgungsrealität auseinander. Auf dem Papier hat jede gesetzlich versicherte Frau das Recht auf Hebammenhilfe vor, während und nach der Geburt. In der Praxis übersteigt die Nachfrage vielerorts die freien Kapazitäten, besonders in Großstädten und zu geburtenstarken Monaten. Wer erst im dritten Trimester zu suchen beginnt, konkurriert mit allen anderen, die es auch verschoben haben.

Dazu kommt ein verbreitetes Missverständnis: „Im Krankenhaus sind doch Hebammen." Das stimmt, gilt aber nur für den Kreißsaal. Die Klinikhebamme betreut die Geburt; mit der Entlassung endet ihre Zuständigkeit an der Kliniktür. Die Betreuung zu Hause, also genau die Phase, in der die meisten Fragen entstehen, findet nur statt, wenn ihr vorher eine freiberufliche Hebamme organisiert habt. Von selbst kommt niemand.

Die zeitliche Faustlage: Nach der zwölften Woche, wenn ihr die Nachricht ohnehin breiter teilt, sollte die Suche laufen. Früher schadet nicht, später wird es je nach Region eng. Wer zusätzlich eine Beleghebamme möchte (eine freiberufliche Hebamme, die mit Rufbereitschaft auch die Geburt in der Klinik begleitet), sucht noch früher, denn diese Plätze sind die knappsten.

Die Varianten, kurz sortiert

Im Suchprozess begegnen dir vier Begriffe, die sich lohnen auseinanderzuhalten.

Die Wochenbett- oder Nachsorgehebamme ist der Standardfall: Sie betreut eure Familie nach der Geburt zu Hause. Sie ist das Minimum, das ihr organisieren solltet.

Die Beleghebamme ist eine freiberufliche Hebamme, die zusätzlich die Geburt begleitet, in einer Klinik, mit der sie einen Belegvertrag hat. Dafür hält sie sich um den errechneten Termin herum abrufbereit; diese Rufbereitschaft kostet eine private Pauschale. Der Vorteil: dieselbe vertraute Person durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Der Nachteil: Es gibt sehr wenige davon.

Im Geburtshaus und bei der Hausgeburt übernehmen freiberufliche Hebammen die komplette Geburtsbetreuung außerhalb der Klinik; beides setzt eine unkomplizierte Schwangerschaft und eine sehr frühe Anmeldung voraus.

Für die meisten Paare heißt die realistische Aufgabe: eine gute Nachsorgehebamme finden. Alles Weitere ist Zusatz, kein Muss.

So läuft die Suche konkret

Der Ablauf in fünf Schritten, jeder davon an einem Abend machbar:

Erstens: Bedarf festlegen.

Kernstück ist die Wochenbettbetreuung. Klärt zusätzlich, ob deine Partnerin auch Vorsorge bei der Hebamme, einen bestimmten Kurs oder eine Beleghebamme möchte. Je klarer die Anfrage, desto schneller die Antworten.

Zweitens: die Portale.

Die größte bundesweite Plattform ist ammely.de, betrieben in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Hebammenverband; dort lassen sich Hebammen nach Postleitzahl und Leistung filtern und direkt kontaktieren. Dazu kommen die Hebammenliste des GKV-Spitzenverbands (alle dort gelisteten Hebammen rechnen mit jeder gesetzlichen Kasse ab) und hebammensuche.de des Hebammenverbands. In Österreich übernimmt das Suchportal des Österreichischen Hebammengremiums diese Rolle.

Drittens: die Krankenkasse anrufen.

Einige Kassen betreiben eigene Vermittlungsservices und suchen aktiv mit; mindestens kennen sie die regionalen Anlaufstellen.

Viertens: die analogen Wege.

Die Frauenarztpraxis, die Wunschklinik und der Bekanntenkreis mit kleinen Kindern kennen die lokale Szene oft besser als jedes Portal. Viele Kliniken führen Listen freiberuflicher Hebammen der Umgebung.

Fünftens: parallel anfragen und nachhalten.

Nicht eine Anfrage schicken und warten, sondern fünf bis zehn gleichzeitig, mit einer einfachen Liste, wer wann geantwortet hat. Absagen sind normal und kein Kommentar zu eurer Familie, sondern zur Auslastung.

Die Anfrage, die Antworten bekommt

Hebammen beantworten täglich Anfragen zwischen zwei Hausbesuchen. Eine gute Anfrage macht es ihnen leicht: errechneter Termin, Wohnort mit Postleitzahl, gewünschte Leistung (etwa Wochenbettbetreuung), Erst- oder Folgekind, Erreichbarkeit. Vier Sätze genügen.

Dass die Anfrage von dir kommt, ist dabei völlig üblich; betreut werden später deine Partnerin und euer Kind, organisieren darf das jeder. Sinnvoll ist, dass beim ersten Kennenlerngespräch (telefonisch oder zu Hause) deine Partnerin dabei ist, denn die Chemie zwischen ihr und der Hebamme entscheidet über die nächsten Monate mehr als jedes Profilfoto auf dem Portal.

Wenn sich keine Hebamme findet

Bleiben alle Anfragen erfolglos, gibt es ein geordnetes Nachrücken. Die Krankenkasse einschalten und explizit um Vermittlung bitten. Bei der Geburtsklinik nach Listen oder Lotsendiensten fragen, die bei der Nachsorgesuche helfen. Auf ammely gibt es zudem kurzfristige Videoberatungen mit Hebammen, die über die Kasse abgerechnet werden; das ersetzt keine Wochenbettbetreuung, beantwortet aber akute Fragen.

Und auch nach der Geburt ist die Suche nicht vorbei: Nachsorge lässt sich noch von der Wochenstation aus organisieren, viele Kliniken unterstützen dabei. Findet sich dauerhaft niemand, bilden Kinderarztpraxis, die U-Untersuchungen und eine Stillberatungsstelle das Ersatznetz; enger wird es dadurch nicht bequemer, aber ihr seid nicht allein gelassen.

Der eine nächste Schritt: Verschicke diese Woche die ersten fünf Anfragen über ammely oder die GKV-Liste, mit errechnetem Termin und Postleitzahl. Die Geburt hat ein Datum. Die Hebammensuche braucht nur einen Anfang.

Häufige Fragen zur Hebammensuche

Ab wann sollten wir eine Hebamme suchen?

Sobald ihr die Schwangerschaft breiter teilt, meist nach der zwölften Woche; in Großstädten und für Beleghebammen besser noch früher. Die Wochenbettbetreuung ist der Teil, der ohne eigene Organisation nicht stattfindet.

Was kostet eine Hebamme?

Für gesetzlich Versicherte sind Vorsorge, Geburtsvorbereitungskurs, Geburt, Wochenbettbetreuung, Rückbildung und Stillberatung Kassenleistungen ohne Zuzahlung; die Versichertenkarte genügt. Privat zu zahlen sind in der Regel die Rufbereitschaftspauschale einer Beleghebamme und häufig der Partneranteil am Kurs. (Stand: August 2026)

Wie lange kommt die Nachsorgehebamme?

In den ersten rund zehn Tagen nach der Geburt bei Bedarf täglich (bis zu zwei Besuche am Tag), danach mit weiteren Terminen bis zwölf Wochen nach der Geburt, bei Still- und Ernährungsfragen auch länger. Den Rhythmus bestimmt ihr gemeinsam mit der Hebamme.

Brauchen wir eine Hebamme, wenn wir im Krankenhaus entbinden?

Für die Geburt selbst nicht, die betreuen die Kreißsaal-Hebammen der Klinik. Für die Zeit danach schon: Die Betreuung zu Hause übernimmt nur eine vorher organisierte freiberufliche Hebamme. Die Klinikzuständigkeit endet mit der Entlassung.

Kann ich als Vater die Hebamme organisieren?

Ja, die Suche, die Anfragen und die Terminkoordination kannst du vollständig übernehmen; das ist üblich und für Hebammen Alltag. Beim Kennenlerngespräch sollte deine Partnerin dabei sein, denn auf das Vertrauensverhältnis zwischen ihr und der Hebamme kommt es an.

Was machen wir, wenn wir keine Hebamme finden?

Krankenkasse um aktive Vermittlung bitten, Klinik-Listen und Lotsendienste nutzen, kurzfristige Videoberatung über ammely für akute Fragen, und die Nachsorgesuche notfalls von der Wochenstation aus fortsetzen. Als dauerhaftes Ersatznetz dienen Kinderarztpraxis, U-Untersuchungen und Stillberatungsstellen.

Quellen

  • Sozialgesetzbuch V, § 24d (ärztliche Betreuung und Hebammenhilfe)

  • Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit, familienplanung.de: „Die Nachsorge-Hebamme" (Anspruchsdauer, Kostenübernahme)

  • Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit, kindergesundheit-info.de: „Hebammenbetreuung, Ihr gutes Recht" (Besuchsumfang, Rechtsgrundlage)

  • GKV-Spitzenverband: bundesweite Hebammenliste

  • ammely.de, Plattform in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Hebammenverband (Suchwege, Videoberatung)

  • Informationsangebote gesetzlicher Krankenkassen zu Hebammenleistungen und Vermittlungsservices (Stand 2026)

Stand: August 2026. Dieser Text ersetzt keine medizinische Beratung; bei Beschwerden oder Unsicherheit gilt das Wort von Ärzt:innen und Hebammen. Für Leistungs- und Erstattungsfragen sind die Auskünfte der jeweiligen Krankenkasse verbindlich.

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