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Zwei bis vier Wochen dauert eine Eingewöhnung nach dem Berliner Modell im Regelfall, manchmal länger. Zwei bis vier Wochen, in denen jeden Vormittag dieselbe Bezugsperson mit dem Kind in der Kita ist, verlässlich, ohne Termine dazwischen, ohne Wechsel. In den meisten Familien wird stillschweigend angenommen, dass diese Person die Mutter ist. Dabei spricht fachlich nichts dagegen und organisatorisch oft einiges dafür, dass du sie bist.
Dieser Artikel erklärt, wie die gängigen Eingewöhnungsmodelle ablaufen, warum die Konstanz der Bezugsperson zählt und nicht ihr Geschlecht, und wie du die Wochen so planst, dass sie für euer Kind ein guter Übergang werden.
Wie läuft eine Eingewöhnung ab?
In Deutschland arbeiten die meisten Einrichtungen nach dem Berliner Eingewöhnungsmodell oder einer Variante davon. Der Ablauf in vier Schritten:
Erstens die Grundphase: An den ersten drei Tagen bist du mit deinem Kind gemeinsam für ein bis zwei Stunden in der Gruppe. Du bist der sichere Hafen im Raum, hältst dich aber im Hintergrund; die Bezugserzieherin oder der Bezugserzieher nimmt vorsichtig Kontakt auf. Trennungen finden noch nicht statt.
Zweitens der erste Trennungsversuch, meist ab dem vierten Tag: Du verabschiedest dich klar und verlässt den Raum, bleibst aber in der Nähe. Lässt sich dein Kind rasch trösten, dauert die erste Trennung bis etwa 30 Minuten. Lässt es sich nicht beruhigen, wird nach wenigen Minuten abgebrochen und später neu angesetzt. Die Reaktion auf diesen Versuch bestimmt, wie lang die Eingewöhnung insgesamt wird.
Drittens die Stabilisierungsphase: Die Trennungszeiten wachsen von Tag zu Tag, die Fachkraft übernimmt zunehmend Füttern, Wickeln und Trösten. Du ziehst dich Schritt für Schritt zurück.
Viertens die Schlussphase: Du bringst dein Kind nur noch und holst es ab, bist aber jederzeit telefonisch erreichbar. Die Eingewöhnung gilt als gelungen, wenn dein Kind die Fachkraft als sichere Basis akzeptiert und sich von ihr trösten lässt.
Das Münchener Modell verläuft ähnlich, plant aber längere Kennenlernphasen ohne Trennungsdruck und insgesamt eher vier bis sechs Wochen ein. Welche Variante eure Einrichtung fährt, steht im Konzept und gehört ins Vorgespräch.

Der vierte Tag entscheidet über das Tempo, nicht über den Erfolg
Warum kannst du die Eingewöhnung übernehmen?
Die Modelle verlangen eine Bezugsperson mit stabiler Bindung zum Kind, die durchgehend dieselbe bleibt und Zeit mitbringt. Mehr nicht. Vater oder Mutter ist dabei keine fachliche Kategorie, Konstanz ist eine.
Praktisch fällt der Kita-Start bei vielen Familien genau in die Phase, in der die Mutter in den Beruf zurückkehrt. Wer seine Elternzeit-Monate auf diesen Zeitraum legt, löst zwei Probleme mit einer Entscheidung: Das Kind bekommt eine konstante Begleitung ohne Terminkonflikte, und der Wiedereinstieg deiner Partnerin startet nicht mit zwei Wochen Sonderurlaub. Wie sich die Monate entsprechend aufteilen lassen, steht im Modelle-Vergleich. → Elternzeit-Modelle: vier Aufteilungen im Vergleich
Ein Nebeneffekt mit langer Wirkung: Wer eingewöhnt, kennt danach Team, Abläufe und Räume aus eigener Anschauung. Elterngespräche, Krankmeldungen und Tür-und-Angel-Fragen laufen dann selbstverständlich auch über dich, nicht als Ausnahme, sondern als Normalfall.
Wie bereitest du die Wochen vor?
Vier Punkte machen den Unterschied.
Erstens Zeit: Blocke die Vormittage für die volle mögliche Dauer, beim Berliner Modell vier Wochen, beim Münchener sechs. Wird es kürzer, gewinnst du Zeit zurück; andersherum entsteht Druck, und Druck ist das Gegenteil von Eingewöhnung.
Zweitens Abschiedsritual: kurz, klar, immer gleich. Verabschieden, gehen, nicht zurückschleichen und nicht heimlich verschwinden. Kinder verkraften einen klaren Abschied besser als einen verschwundenen Vater.
Drittens Stabilität drumherum: In den Eingewöhnungswochen möglichst keine weiteren Umbrüche wie Umzug, Abstillen oder neue Schlafsituation.
Viertens Puffer danach: Mit dem Kita-Start beginnt erfahrungsgemäß eine Phase häufiger Infekte. Klärt vorher, wer an Krankheitstagen einspringt und wie ihr Kinderkrankentage aufteilt.
Was, wenn es nicht klappt?
Dann ist das kein Scheitern, sondern eine Information. Weinen beim Abschied ist über Wochen normal; entscheidend ist, ob dein Kind sich danach beruhigen lässt und ins Spiel findet. Stockt die Eingewöhnung, wird ein Schritt zurückgegangen: kürzere Trennungen, ein paar Tage mehr Grundphase, neues Anlaufen. Ein Kind, das mehr Zeit braucht, ist kein Problemfall, sondern ein Kind.
Der eine nächste Schritt: Vereinbart das Vorgespräch mit eurer Einrichtung und stellt zwei Fragen: Nach welchem Modell wird eingewöhnt, und wie viele Wochen sollen eingeplant werden? Mit den Antworten legst du deine Elternzeit-Monate oder deinen Urlaub fest, bevor der Dienstplan es tut.
Häufige Fragen zur Eingewöhnung
Wie lange dauert eine Kita-Eingewöhnung?
Nach dem Berliner Modell meist zwei bis vier Wochen, nach dem Münchener Modell eher vier bis sechs. Die tatsächliche Dauer richtet sich nach der Reaktion des Kindes, nicht nach dem Kalender.
Kann der Vater die Eingewöhnung übernehmen?
Ja. Die Modelle verlangen eine konstante Bezugsperson mit stabiler Bindung, das Geschlecht spielt fachlich keine Rolle. Wichtig ist, dass dieselbe Person durchgehend begleitet.
Was passiert beim ersten Trennungsversuch?
Meist ab dem vierten Tag verabschiedet sich die Bezugsperson kurz und verlässt den Raum. Lässt sich das Kind trösten, dauert die Trennung bis etwa 30 Minuten; wenn nicht, wird abgebrochen und später neu begonnen.
Ist Weinen beim Abschied ein schlechtes Zeichen?
Nein. Viele Kinder weinen beim Abschied noch Wochen nach der Eingewöhnung. Entscheidend ist, dass sie sich von der Fachkraft beruhigen lassen und danach ins Spiel finden.
Sollte man sich heimlich davonschleichen, wenn das Kind abgelenkt ist?
Nein. Ein kurzer, klarer Abschied ist verlässlicher als ein plötzlich verschwundenes Elternteil. Verlässlichkeit ist die Währung der ganzen Eingewöhnung.
Quellen
infans, Institut für angewandte Sozialisationsforschung: Das Berliner Eingewöhnungsmodell (Laewen, Andres, Hédervári-Heller)
Winner und Erndt-Doll: Das Münchener Eingewöhnungsmodell
Fachinformationen von Kita-Trägern und Landesjugendämtern zur Gestaltung der Eingewöhnung

