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Irgendwann in den nächsten Wochen wählst du eine Nummer, die du hoffentlich längst eingespeichert hast: die des Kreißsaals. Am anderen Ende fragt eine Hebamme nach der Schwangerschaftswoche, dem Wehenabstand und ob die Fruchtblase geplatzt ist. Wer diese drei Antworten parat hat, hat den ersten Teil seiner Aufgabe bereits erledigt.
Dieser Artikel erklärt, was zwischen diesem Anruf und dem ersten Schrei passiert: wann ihr losfahrt, was bei der Aufnahme geschieht, wie die Phasen einer Geburt ablaufen und welche Rolle du dabei tatsächlich hast. Geburtsvorbereitungskurse behandeln vieles davon, aber nicht jeder Kurs findet vor der Geburt noch statt, und nicht jeder Vater sitzt in einem.
Wann fahrt ihr in die Klinik?
Die verbreitete Orientierung lautet: losfahren, wenn die Wehen über etwa eine Stunde regelmäßig kommen, im Abstand von rund fünf Minuten, und deine Partnerin währenddessen nicht mehr entspannt sprechen kann. Beim zweiten Kind früher, weil Geburten dann meist schneller verlaufen. Verbindlich ist aber nicht die Faustregel, sondern die Ansage eurer Klinik, deshalb gehört die Frage in die Kreißsaal-Anmeldung. Bis wann ihr euch anmelden sollt, legt jede Klinik selbst fest. Fragt beim Infoabend nach.
Unabhängig von jedem Wehenabstand gilt: Bei Blasensprung, grünlichem, bräunlichem oder übel riechendem Fruchtwasser, bei Blutungen, Fieber ab 38 Grad, deutlich weniger Kindsbewegungen oder wenn deine Partnerin sich ernsthaft Sorgen macht, ruft ihr sofort an. Liegt euer Kind nicht mit dem Kopf nach unten, fragt vorher, wie ihr bei einem Blasensprung kommen sollt. Manche Kliniken raten dann zum liegenden Transport. Geht alles sehr schnell, wählst du 112.
Was passiert bei der Aufnahme?
Im Kreißsaal wird deine Partnerin zuerst untersucht: ein CTG zur Kontrolle von Herztönen und Wehen, dazu die Untersuchung, wie weit der Muttermund geöffnet ist. Aus beidem ergibt sich die Einschätzung, in welcher Phase die Geburt steht.
Ein Ergebnis dieses Checks überrascht viele Paare: Ihr werdet unter Umständen wieder nach Hause geschickt. Wenn die Geburt noch in der frühen Latenzphase steckt, ist das kein Fehler im System, sondern die Empfehlung der Fachgesellschaften, denn zu Hause vergeht diese Phase für die meisten Frauen leichter als auf einer Station. Plant diese Möglichkeit ein, dann ist sie keine Enttäuschung.
Wie läuft die Geburt ab?
Eine vaginale Geburt folgt einem Muster aus drei Abschnitten, deren Dauer stark schwankt. Die Zahlen unten sind Durchschnittswerte für erste Geburten, keine Zusagen.
Die Eröffnungsphase ist die längste: Muttermundwirksame Wehen öffnen den Muttermund auf etwa zehn Zentimeter. Die Leitlinie unterscheidet eine frühe Latenzphase bis etwa vier bis sechs Zentimeter und die aktive Phase danach. Die Latenzphase verbringt ihr oft noch zu Hause, die aktive Phase im Kreißsaal. Beim ersten Kind dauert das oft viele Stunden. Von einer Verzögerung spricht die Leitlinie erst, wenn sich der Muttermund in vier Stunden um weniger als zwei Zentimeter öffnet. Gegen Ende, in der sogenannten Übergangsphase, werden die Wehen am intensivsten. Das ist häufig der Moment, in dem Sätze fallen, die nicht dir gelten.
Die Austreibungsphase beginnt, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist, und endet mit der Geburt. Beim ersten Kind dauert die aktive Phase mit Pressdrang oft bis zu zwei Stunden. Dauert sie länger, prüft das Team, wie es weitergeht.
Die Nachgeburtsphase schließt die Geburt ab: Die Plazenta löst sich und wird geboren, meist innerhalb von 30 Minuten, bei abwartendem Vorgehen kann es bis zu einer Stunde dauern. Euer Kind liegt in dieser Zeit in der Regel schon auf der Brust deiner Partnerin, denn die Leitlinie empfiehlt Hautkontakt so früh wie möglich. Geht das nicht, etwa nach einem Kaiserschnitt, kannst du übernehmen. Die Nabelschnur soll laut Leitlinie nicht vor einer Minute abgeklemmt werden. Ob du sie durchtrennen willst, entscheidest du, es ist ein Angebot, keine Prüfung. Sag es dem Team vorher.
Was ist deine Rolle dabei?
Nüchtern betrachtet hast du drei Aufgaben, und keine davon heißt anfeuern.
Erstens Logistik: Fahrt, Anmeldung, Unterlagen, Wasser, Ladekabel, die Nachrichten an die Familie. Alles, was deiner Partnerin Entscheidungen abnimmt, die nichts mit der Geburt zu tun haben.
Zweitens Präsenz: da sein, ansprechbar bleiben, Wünsche weitergeben. Du kennst ihre Vorstellungen zur Geburt, etwa zur Schmerzbehandlung, und kannst sie gegenüber dem Team formulieren, wenn sie selbst gerade keine Kraft dafür hat. Entscheiden tut sie, aussprechen kannst du.
Drittens Selbstverwaltung: Iss, trink, setz dich zwischendurch. Eine Geburt kann sich über viele Stunden ziehen, und ein Begleiter, der nach zwölf Stunden umkippt, hilft niemandem. Kurz den Raum zu verlassen ist erlaubt und manchmal genau richtig.
Was, wenn es anders läuft als geplant?
Geburten weichen vom Plan ab, das ist keine Ausnahme, sondern einkalkuliert. Eine PDA kann später gewünscht werden, obwohl vorher keine geplant war. Eine Einleitung kann nötig werden, wenn der Termin deutlich überschritten ist. Und aus einer geplanten vaginalen Geburt kann ein Kaiserschnitt werden, wenn das Team es für den sichereren Weg hält. Für dich heißt das: Der Plan ist eine Präferenzliste, kein Vertrag. Wer das vorher weiß, erlebt Abweichungen als Anpassung, nicht als Scheitern.
Der eine nächste Schritt: Druck den Spickzettel aus und füllt Seite 1 diese Woche gemeinsam aus, mit Kreißsaal-Nummer, der Ansage eurer Klinik und der Frage, wer nachts bei Geschwistern oder Haustier bleibt.

Kreißsaal-Spickzettel: alles, was du am Tag X griffbereit brauchst
Zwei Seiten zum Ausdrucken. Seite 1 kommt an den Kühlschrank: eure Nummern, die drei Antworten fürs Telefonat mit dem Kreißsaal, ein Wehenprotokoll und die Warnzeichen, bei denen ihr sofort anruft. Seite 2 gehört in die Kliniktasche: was in jeder Phase passiert, was du tust und welche drei Fragen du stellst, wenn etwas entschieden werden muss.
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Häufige Fragen zum Ablauf der Geburt
Wann sollten wir in die Klinik fahren?
Als Orientierung: bei regelmäßigen Wehen im Abstand von etwa fünf Minuten über rund eine Stunde, beim zweiten Kind früher. Maßgeblich ist die Vorgabe eurer Klinik. Bei Blasensprung, Blutungen oder weniger Kindsbewegungen sofort anrufen. Bei verfärbtem Fruchtwasser oder Fieber ab 38 Grad ebenfalls sofort anrufen.
Wie lange dauert eine Geburt beim ersten Kind?
Beim ersten Kind oft viele Stunden, die Spannbreite ist groß. Die Leitlinie spricht in der aktiven Eröffnungsphase erst von einer Verzögerung, wenn sich der Muttermund in vier Stunden um weniger als zwei Zentimeter öffnet. Die Austreibungsphase dauert oft bis zu zwei Stunden, die Nachgeburtsphase meist bis zu 30 Minuten.
Kann man aus dem Kreißsaal wieder nach Hause geschickt werden?
Ja. Steckt die Geburt noch in der frühen Latenzphase, empfehlen Kliniken häufig, diese Zeit zu Hause zu verbringen. Das ist üblich und kein Grund zur Sorge.
Darf der Vater den Kreißsaal verlassen?
Ja. Kurze Pausen sind normal und sinnvoll. Wer isst, trinkt und zwischendurch sitzt, bleibt über viele Stunden ein brauchbarer Begleiter.
Muss der Vater die Nabelschnur durchtrennen?
Nein. Es ist ein Angebot des Teams, keine Erwartung. Beide Antworten sind richtig.
Wann wird die Nabelschnur durchtrennt?
Die Leitlinie empfiehlt, sie nicht vor einer Minute nach der Geburt abzuklemmen, außer es gibt Sorge um das Kind. Wenn du sie durchtrennen möchtest, sag es dem Team vorher.
Quellen
AWMF: S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin (015/083), Dezember 2020 (Phasen, Verzögerung, Nachgeburtsphase, Hautkontakt, Abnabeln)
Hebammen-Informationsblatt Vorzeitiger Blasensprung, Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer (Warnzeichen)
Klinikum Hanau: FAQ Kreißsaal (Transport bei Beckenendlage, Bonding durch den Partner)
Stand Oktober 2026 - Dieser Text ersetzt keine medizinische Beratung; bei Beschwerden oder Unsicherheit gilt das Wort von Ärzt:innen und Hebammen.

