This website uses cookies

Read our Privacy policy and Terms of use for more information.

Copyright: shutterstock / 1918083626

1186 Krankenhäuser in Deutschland hatten 1991 eine Entbindungsstation. 2024 waren es noch 578, weniger als halb so viele. Die Auswahl ist kleiner geworden, die Wege oft länger. Umso mehr lohnt es sich, die verbleibenden Optionen nicht nach Nähe und Bauchgefühl zu sortieren, sondern nach Kriterien, die offenliegen.

Dieser Artikel erklärt, welche Geburtsorte es gibt, was die Versorgungsstufen der Kliniken bedeuten, welche Zahlen sich vergleichen lassen und was sie aussagen, welche Fragen in den Infoabend gehören und wann ihr euch anmeldet. Die Entscheidung trefft ihr gemeinsam, und es ist zuerst die Geburt deiner Partnerin. Die Recherche dafür kannst du übernehmen.

Klinik, Geburtshaus oder zu Hause: welche Orte gibt es?

Die große Mehrheit der Kinder kommt in einer Klinik zur Welt. 2023 fanden von rund 696.000 Geburten 13.799 außerhalb einer Klinik statt, gut 2 Prozent. Von den geplanten außerklinischen Geburten liefen 56 Prozent in einem Geburtshaus und 44 Prozent zu Hause.

Ein Geburtshaus arbeitet hebammengeleitet. Es kommt nur bei einer gesunden Schwangerschaft infrage, über die Aufnahme entscheiden festgelegte Ausschlusskriterien. Seit 2008 tragen die Krankenkassen die Betriebskosten der Geburtshäuser über eine Pauschale; einzelne Häuser verlangen trotzdem Eigenanteile, fragt danach.

Auch die Hausgeburt setzt einen unkomplizierten Verlauf voraus. Ab 41+0, also eine Woche nach dem errechneten Termin, ist sie nur noch nach ärztlicher Prüfung Kassenleistung, ab 42+0 gar nicht mehr. Für beide außerklinischen Wege gilt: Die Plätze sind knapp, die Anmeldung muss früh erfolgen. → Hebamme finden als Vater

Was bedeuten die Versorgungsstufen?

Kliniken mit Geburtshilfe sind in vier Stufen eingeteilt. Die Einteilung regelt der Gemeinsame Bundesausschuss in seiner Richtlinie zur Versorgung von Früh- und Reifgeborenen, die in ihrer aktuellen Fassung seit 11. August 2026 gilt. Maßgeblich sind das erwartete Geburtsgewicht und die Schwangerschaftswoche.

Perinatalzentrum Level 1: für Kinder mit einem erwarteten Gewicht unter 1250 Gramm oder vor 29+0.

Perinatalzentrum Level 2: für 1250 bis 1499 Gramm oder 29+0 bis 31+6.

Perinataler Schwerpunkt: ab 1500 Gramm und 32+0 bis 36+6.

Geburtsklinik: ab 37+0, wenn keine Komplikationen zu erwarten sind.

Welche Stufe ihr braucht, ergibt sich aus der Vorsorge. Zeichnet sich eine Frühgeburt oder ein besonderes Risiko ab, etwa beim großen Ultraschall, gehört die Frage nach einem Perinatalzentrum ins Gespräch mit der Frauenärztin. Für alle anderen zählt eine andere Frage: Wohin verlegt die Klinik im Notfall, und wie schnell? → Der große Ultraschall: was beim zweiten Screening passiert

Welche Zahlen kann man vergleichen, und was sagen sie?

Die Kaiserschnittrate

2024 endete jede dritte Klinikgeburt in Deutschland mit einem Kaiserschnitt, 215.900 von 654.600. Das ist der höchste Anteil seit der Wiedervereinigung; 1991 lag er bei 15 Prozent. Zwischen den Bundesländern liegen rund neun Prozentpunkte: Hamburg kam auf 36,4 Prozent, das Saarland auf 35,9 und Hessen auf 35,6 Prozent, Sachsen dagegen auf 27,4, Brandenburg auf 27,6 und Berlin auf 29,9 Prozent.

Für die Wahl einer einzelnen Klinik taugt die Rate nur mit Kontext. Ein Perinatalzentrum betreut mehr Risikoschwangerschaften als ein kleines Haus mit überwiegend unkomplizierten Geburten, entsprechend unterscheiden sich die Zahlen. Eine hohe Rate ist deshalb kein Qualitätsurteil, eine niedrige auch nicht. Sinnvoller als die nackte Zahl ist die Frage im Infoabend, wie die Klinik mit Kaiserschnitten umgeht und wann sie zu einem rät.

Die Daten der Perinatalzentren

Für Frühgeborene unter 1500 Gramm gibt es echte Vergleichsdaten. Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) veröffentlicht die Ergebnisse der Perinatalzentren Level 1 und 2 standortbezogen auf perinatalzentren.org. Für eine Geburt am Termin ohne Risiken helfen diese Zahlen kaum weiter.

Die Fahrzeit

Laut einem Gutachten aus dem Jahr 2019 lag die durchschnittliche Fahrzeit zur nächsten Geburtsklinik bei 17,6 Minuten für 10,6 Kilometer. Seitdem haben weitere Kreißsäle geschlossen, für eure Wohnung zählt ohnehin die eigene Strecke. Messt sie nachts und im Berufsverkehr.

Hebammenkreißsaal und Babyfreundlich-Zertifikat

Manche Kliniken bieten einen Hebammenkreißsaal an. Dort betreuen Hebammen gesunde Schwangere mit unkompliziertem Verlauf eins zu eins und ziehen bei Komplikationen Ärzt:innen hinzu. Daten aus Bonn von 2019 zeigen in diesem Modell weniger Eingriffe: eine PDA-Rate von 19,1 statt 41,2 Prozent, Dammschnitte bei 4,3 statt 7,9 Prozent. Wie viele Kliniken das Modell heute anbieten, ist bundesweit nicht erfasst; Anfang 2022 waren es in Nordrhein-Westfalen neun, außerhalb Nordrhein-Westfalens laut Hebammenverband 17.

Ein weiteres Merkmal ist das Zertifikat „Babyfreundlich" der Initiative von WHO und UNICEF. Zertifizierte Kliniken verpflichten sich seit Juli 2025 unter anderem zu mindestens einer Stunde Hautkontakt nach der Geburt, Rooming-in rund um die Uhr, Stillberatung und Zufüttern nur bei medizinischer Indikation. Welche Kliniken in eurer Nähe zertifiziert sind, zeigt die Suche auf babyfreundlich.org.

Welche Fragen gehören in den Infoabend?

Beim Infoabend oder der Kreißsaalführung kannst du die Fragen stellen, während deine Partnerin den Raum auf sich wirken lässt. Diese sechs zeigen die Unterschiede.

Erstens: Wie ist die Betreuung unter der Geburt?

Die Leitlinie zur vaginalen Geburt empfiehlt ab der aktiven Eröffnungsphase eine Eins-zu-eins-Betreuung durch eine Hebamme. Fragt, ob die Klinik das in der Regel schafft und wie viele Geburten eine Hebamme gleichzeitig betreut.

Zweitens: Gibt es eine Kinderklinik oder Neonatologie im Haus?

Wenn nicht: Wohin wird ein Neugeborenes im Notfall verlegt, und kann deine Partnerin mit?

Drittens: Ist eine PDA rund um die Uhr möglich?

Gemeint ist, ob nachts und am Wochenende Anästhesie verfügbar ist, nicht ob sie empfohlen wird.

Viertens: Darf ich beim Kaiserschnitt dabei sein, und wie läuft das Bonding?

Fragt, ob die Begleitperson auch bei einem geplanten oder dringlichen Kaiserschnitt im OP bleiben kann und ob euer Kind auch dann direkt auf die Haut gelegt wird.

Fünftens: Wie lange bleibt ihr, und kann ich bleiben?

Gibt es Familienzimmer, was kosten sie, und ist eine ambulante Geburt möglich, also die Heimkehr wenige Stunden nach der Geburt? → Selbst zahlen in der Schwangerschaft: was die Kasse übernimmt und was nicht

Sechstens: Was passiert, wenn der Kreißsaal voll ist?

Fragt, wie oft die Klinik Schwangere an andere Häuser verweist und wie ihr das am Telefon erfahrt, bevor ihr losfahrt.

Wann und wie meldet ihr euch an?

Viele Kliniken empfehlen die Anmeldung zur Geburt zwischen der 30. und 34. Schwangerschaftswoche, manche früher. Bei einem errechneten Termin am 15. März heißt das: zwischen Anfang Januar und Mitte Februar. Wer zwei Kliniken vergleichen will, besucht die Infoabende am besten schon vorher, im zweiten Schwangerschaftsdrittel. Was ihr zur Anmeldung mitbringen sollt, sagt euch die Klinik, der Mutterpass gehört immer dazu. → Drittes Trimester: Was in den letzten Wochen wirklich ansteht

Was ist deine Rolle bei der Klinikwahl?

Du übernimmst die Recherche: zwei oder drei Kliniken in Fahrtnähe heraussuchen, Versorgungsstufe und Angebote auf den Webseiten prüfen, Infoabende buchen. Beim Termin stellst du die sechs Fragen und schreibst mit, damit nach der zweiten Führung nichts verschwimmt.

Und eine Aufgabe, die sonst niemand übernimmt: Fahr die Strecke zur gewählten Klinik einmal ab, auch nachts, und kläre, welcher Eingang dann offen ist und wo ihr parkt. Wie die Geburt selbst abläuft und was du dort tust, steht im Kreißsaal-Briefing. → Kreißsaal-Briefing: wie eine Geburt abläuft

Der eine nächste Schritt: Sucht diese Woche zwei Kliniken in Fahrtnähe heraus und tragt den nächsten Infoabend in den Kalender ein, mit den sechs Fragen aus diesem Artikel auf dem Handy.

Die Klinik wählt ihr einmal. Den Weg dorthin fahrt ihr im Ernstfall vielleicht nachts.

Häufige Fragen zur Wahl der Geburtsklinik

Wann sollte man sich im Kreißsaal anmelden?

Viele Kliniken empfehlen die Anmeldung zwischen der 30. und 34. Schwangerschaftswoche, manche früher. Infoabende und Führungen besucht ihr am besten schon vorher, im zweiten Schwangerschaftsdrittel. (Stand: Oktober 2026)

Was ist ein Perinatalzentrum, und wann braucht man eins?

Perinatalzentren sind auf Früh- und Risikogeburten spezialisiert. Level 1 versorgt Kinder unter 1250 Gramm oder vor 29+0, Level 2 Kinder von 1250 bis 1499 Gramm oder 29+0 bis 31+6. Ob ihr eins braucht, ergibt sich aus der Vorsorge; bei einer Geburt am Termin ohne Komplikationen reicht eine Geburtsklinik. (Stand: Oktober 2026)

Was ist ein Hebammenkreißsaal?

Ein Modell, in dem Hebammen gesunde Schwangere mit unkompliziertem Verlauf eigenverantwortlich und eins zu eins betreuen. Ärzt:innen kommen bei Komplikationen hinzu. Daten aus Bonn von 2019 zeigen in diesem Modell weniger Eingriffe wie PDA und Dammschnitt.

Zahlt die Krankenkasse eine Geburt im Geburtshaus?

Ja, seit 2008 tragen die Kassen die Betriebskosten über eine Pauschale. Einzelne Geburtshäuser verlangen trotzdem Eigenanteile; fragt vor der Anmeldung nach. (Stand: Oktober 2026)

Wie aussagekräftig ist die Kaiserschnittrate einer Klinik?

Nur mit Kontext. Kliniken mit vielen Risikoschwangerschaften haben andere Zahlen als Häuser mit überwiegend unkomplizierten Geburten. Hilfreicher ist die Frage im Infoabend, wann die Klinik zu einem Kaiserschnitt rät und wie sie ihn begleitet.

Quellen

  • Statistisches Bundesamt: Kaiserschnittrate 2024 (berichtet im Mai 2026); Krankenhäuser mit Entbindungsstation 1991 und 2024 (berichtet im März 2026)

  • Gemeinsamer Bundesausschuss: Qualitätssicherungs-Richtlinie Früh- und Reifgeborene (QFR-RL), in Kraft seit 11. August 2026

  • IQTIG: perinatalzentren.org, Ergebnisqualität der Perinatalzentren Level 1 und 2

  • BARMER: Geburtshäuser als wichtige Säule der Gesundheitsversorgung (2024, Daten der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe, QUAG)

  • betanet: Geburt, Leistungen der Krankenkasse (Stand Oktober 2026)

  • Deutscher Bundestag: Drucksache 21/5647 (April 2026), Erreichbarkeit von Geburtskliniken nach IGES-Gutachten 2019

  • Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen: Hebammenkreißsaal, Daten und Fakten (2019); Land Nordrhein-Westfalen, Pressemitteilung vom 14. Januar 2022

  • S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin (AWMF 015-083)

  • Babyfreundlich, Initiative von WHO und UNICEF: Anforderungen seit Juli 2025, Kliniksuche auf babyfreundlich.org

Stand: Oktober 2026. Dieser Text ersetzt keine medizinische Beratung; bei Beschwerden oder Unsicherheit gilt das Wort von Ärzt:innen und Hebammen. Für Leistungs- und Erstattungsfragen sind die Auskünfte der jeweiligen Krankenkasse verbindlich.