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In SSW 5 ist der Embryo drei Wochen alt. Wer das zum ersten Mal hört, vermutet einen Rechenfehler. Tatsächlich ist es die Logik des Systems: Die Schwangerschaft wird ab einem Tag gezählt, an dem sie noch gar nicht begonnen hat.

Dieser Artikel erklärt die Zählweise einmal komplett: warum die Rechnung beim ersten Tag der letzten Periode beginnt, was die Schreibweise 12+3 bedeutet, wie der errechnete Termin entsteht und warum der Ultraschall ihn manchmal verschiebt. Und er zeigt, welche Fristen für dich als Vater an genau diesem Datum hängen.

Warum beginnt die Zählung vor der Befruchtung?

Die Medizin rechnet die Schwangerschaft ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung. Der Fachbegriff dafür lautet post menstruationem, kurz p.m. Der Grund ist pragmatisch: Dieser Tag ist meist das einzige Datum, das sicher bekannt ist. Der Eisprung und damit die Befruchtung liegen dagegen im Ungefähren, bei einem 28-Tage-Zyklus rechnerisch um den 14. Zyklustag, tatsächlich mit erheblicher Streuung.

Nach dieser Zählweise dauert eine Schwangerschaft 40 Wochen oder 280 Tage. Die ersten rund zwei Wochen davon sind eine reine Rechengröße: In dieser Zeit besteht noch keine Schwangerschaft, die Befruchtung folgt erst um den Beginn der dritten Woche.

Daraus ergibt sich der Effekt vom Anfang: Wenn die Periode ausbleibt und der Test positiv ist, sind seit dem ersten Tag der letzten Blutung bereits vier Wochen vergangen. Eure Schwangerschaft startet für euch gefühlt bei null, auf dem Papier aber in SSW 5. Der Embryo selbst ist zu diesem Zeitpunkt etwa drei Wochen alt, denn sein Alter zählt ab der Befruchtung.

Was bedeutet die Schreibweise 12+3?

Ärzt:innen, Hebammen und Kliniken geben das Schwangerschaftsalter in vollendeten Wochen plus Tagen an. 12+3 heißt: 12 abgeschlossene Wochen und 3 Tage. Damit steckt ihr mitten in der 13. Schwangerschaftswoche.

Die Verwechslung zwischen beiden Angaben ist der häufigste Rechenfehler rund um die SSW. Als Merkhilfe: Die Zahl vor dem Plus ist immer um eins kleiner als die laufende Woche, genauso wie ein Kind mit 12 Jahren und 3 Monaten im 13. Lebensjahr steckt.

Die Form mit dem Plus ist auch die Angabe, die später zählt: Wenn du zur Geburt in der Klinik anrufst, gehört die SSW in Wochen und Tagen zu den ersten Fragen am Telefon. Wer sie parat hat, spart in diesem Moment Nerven. Im Mutterpass findest du die Angabe bei jedem Vorsorgetermin in der Spalte zum Schwangerschaftsalter.

Wie wird der errechnete Termin bestimmt?

Der errechnete Geburtstermin, im Mutterpass und in jedem Gespräch kurz ET, entsteht klassisch nach der Naegele-Regel: erster Tag der letzten Periode plus 7 Tage, minus 3 Monate, plus 1 Jahr. Weicht der Zyklus von 28 Tagen ab, wird die Differenz in Tagen dazugerechnet oder abgezogen.

Der ET markiert den Tag 40+0, also den Abschluss der 40 Wochen. Die Regel geht auf den Heidelberger Geburtshelfer Franz Naegele zurück und ist seit rund 200 Jahren die Standardmethode, weil sie mit dem einzigen sicher bekannten Datum auskommt.

Der errechnete Termin ist ein Punkt, die Geburt ein Zeitraum

Warum ändert der Ultraschall manchmal den Termin?

Zwischen SSW 8+0 und 11+6 sieht der gemeinsame Leistungskatalog der Krankenkassen das erste von drei Ultraschallscreenings vor. Neben dem Nachweis, dass die Schwangerschaft intakt ist und wie viele Kinder unterwegs sind, hat diese Untersuchung einen Zweck, der oft untergeht: die genaue Bestimmung des Schwangerschaftsalters.

Gemessen wird dafür die Scheitel-Steiß-Länge des Embryos. In dieser frühen Phase entwickeln sich alle Embryonen nahezu gleich schnell, deshalb lässt sich aus der Größe fast tagesgenau ablesen, wie alt die Schwangerschaft wirklich ist. Weicht das Ergebnis deutlich von der Rechnung nach der letzten Periode ab, in der Praxis um mehr als etwa fünf Tage, wird der ET korrigiert und neu in den Mutterpass eingetragen.

Der korrigierte Termin gilt dann für den Rest der Schwangerschaft. Spätere Messungen verschieben ihn nicht mehr, denn ab dem zweiten Trimester wachsen Kinder unterschiedlich schnell, die Größe taugt dann nicht mehr als Kalender. Wenn der ET nach dem ersten Ultraschall also plötzlich ein paar Tage wandert, ist das keine Unsicherheit der Praxis, sondern der Moment, in dem aus einer Schätzung ein Messwert wird. Was beim zweiten Screening passiert, hat einen eigenen Artikel. Der große Ultraschall

Wie zuverlässig ist der errechnete Termin?

Der ET ist der Tag mit der höchsten Geburtswahrscheinlichkeit, mehr nicht. Nur rund vier Prozent der Kinder kommen genau an diesem Datum zur Welt. Rund 90 Prozent der Geburten liegen im Korridor der Termingeburt, der von 37+0 bis 41+6 reicht, also von drei Wochen vor bis knapp zwei Wochen nach dem ET. Eine echte Übertragung über 41+6 hinaus ist in Deutschland selten und betrifft weniger als ein Prozent der Geburten, auch weil vorher meist eingeleitet wird.

Für die Planung heißt das: Der ET ist kein Liefertermin, sondern die Mitte eines Zeitfensters von etwa fünf Wochen. Kliniktasche, Erreichbarkeit im Job und die Frage, wer im Ernstfall fährt, gehören deshalb an den Anfang dieses Fensters, nicht an den ET selbst.

Welche Fristen hängen am errechneten Termin?

Für dich als Vater ist der ET vor allem eines: der Anker, von dem aus rückwärts gerechnet wird. Drei Fristen hängen direkt daran.

Erstens der Mutterschutz. Die Schutzfrist deiner Partnerin beginnt sechs Wochen vor dem ET und endet in der Regel acht Wochen nach der Geburt, bei Früh- und Mehrlingsgeburten zwölf Wochen. Ab dem Beginn der Schutzfrist ist sie zu Hause, was für eure Planung der letzten Wochen den Takt vorgibt.

Zweitens die Elternzeit. Wer sie ab der Geburt nehmen will, muss sie spätestens sieben Wochen vor dem geplanten Beginn beim Arbeitgeber anmelden, gerechnet ab dem ET. Bei einem ET am 15. März heißt das: Anmeldung spätestens am 25. Januar. Für Kinder, die ab dem 1. Mai 2025 geboren sind, genügt dafür die Textform, eine E-Mail reicht also. Elternzeit beantragen: Frist, Form, Musterantrag

Drittens das Elterngeld. Es wird in Lebensmonaten des Kindes gerechnet, und die beginnen am tatsächlichen Geburtstag, nicht am ET. Der ET plant, die Geburt entscheidet. Kommt das Kind zwei Wochen früher, verschieben sich alle Lebensmonate mit, die Elternzeit-Anmeldung bleibt davon aber unberührt, wenn sie rechtzeitig erfolgt ist.

Und eine vierte Frist läuft früher ab, als die meisten Paare ahnen: der Steuerklassenwechsel, der das Elterngeld deiner Partnerin erhöhen kann. Er gehört in die ersten Wochen der Schwangerschaft. Steuerklasse wechseln fürs Elterngeld

Wie rechnet man SSW in Monate um?

Die 40 Wochen entsprechen zehn Rechenmonaten zu je vier Wochen, im Kalender sind das rund neun Monate. Beide verbreiteten Angaben stimmen also, sie zählen nur unterschiedlich. Die grobe Umrechnung: SSW geteilt durch vier ergibt den laufenden Monat. SSW 20 liegt demnach im fünften Monat.

Auch die Trimester folgen dieser Logik: Das erste Trimester reicht bis zum Ende von SSW 12, das zweite bis zum Ende von SSW 27, das dritte bis zur Geburt.

Der eine nächste Schritt: Nimm den ET aus dem Mutterpass, rechne sieben Wochen zurück und trage dir dieses Datum als Endpunkt für deine Elternzeit-Anmeldung in den Kalender ein. Der errechnete Termin sagt wenig darüber, wann dein Kind kommt. Er sagt sehr genau, wann du fertig sein musst.

Häufige Fragen zur SSW-Berechnung

Welche SSW gilt beim positiven Schwangerschaftstest?

Meist SSW 5. Die Zählung beginnt am ersten Tag der letzten Periode, beim Ausbleiben der nächsten Blutung sind also bereits vier Wochen vergangen. Der Embryo ist zu diesem Zeitpunkt rund drei Wochen alt.

Was bedeutet die Schreibweise 12+3?

12 vollendete Schwangerschaftswochen und 3 Tage. Das entspricht der laufenden 13. Schwangerschaftswoche. Kliniken und Praxen verwenden durchgehend diese Form aus Wochen und Tagen.

Warum wird der Geburtstermin nach dem ersten Ultraschall geändert?

Beim ersten Screening zwischen SSW 8+0 und 11+6 wird die Scheitel-Steiß-Länge des Embryos gemessen. Weicht das so bestimmte Alter deutlich von der Rechnung nach der letzten Periode ab, wird der Termin korrigiert. Der korrigierte ET gilt für den Rest der Schwangerschaft.

Wie viele Kinder kommen am errechneten Termin zur Welt?

Nur rund vier Prozent. Etwa 90 Prozent der Geburten liegen im Zeitraum der Termingeburt zwischen 37+0 und 41+6, also von drei Wochen vor bis knapp zwei Wochen nach dem ET.

Wann beginnt der Mutterschutz?

Die Schutzfrist beginnt sechs Wochen vor dem errechneten Termin und endet in der Regel acht Wochen nach der Geburt, bei Früh- und Mehrlingsgeburten zwölf Wochen. (Stand: August 2026)

Wie viele Monate sind 40 Schwangerschaftswochen?

Zehn Rechenmonate zu je vier Wochen, im Kalender rund neun Monate. Für die grobe Umrechnung wird die SSW durch vier geteilt: SSW 20 entspricht dem fünften Monat.

Quellen

  • Gemeinsamer Bundesausschuss: Mutterschafts-Richtlinien (Ultraschallscreening in SSW 8+0 bis 11+6, 18+0 bis 21+6 und 28+0 bis 31+6; Bestimmung des Gestationsalters), aktuelle Fassung

  • Mutterschutzgesetz (MuSchG), Paragraf 3 (Schutzfristen vor und nach der Entbindung)

  • Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG), Paragraf 16 (Anmeldefrist und Textform der Elternzeit)

  • BARMER: SSW-Rechner und Erläuterung der Naegele-Regel (Anteil der Geburten am errechneten Termin), Stand 2026

  • Springer Medizin, Die Geburtshilfe: Terminüberschreitung und Übertragung der Schwangerschaft (Definition der Termingeburt 37+0 bis 41+6, Häufigkeit der Übertragung)

Rechtsstand: August 2026. Sorgfältig recherchiert, aber keine Rechts- oder Steuerberatung; verbindlich sind die Auskünfte von Elterngeldstelle, Familienkasse, Finanzamt oder einer anwaltlichen beziehungsweise steuerlichen Beratung. Dieser Text ersetzt zudem keine medizinische Beratung; bei Beschwerden oder Unsicherheit gilt das Wort von Ärzt:innen und Hebammen.